Grundlagen

Altersvorsorgedepot: Vor- und Nachteile – lohnt es sich?

Altersvorsorgedepot Vor- und Nachteile: Zulagen, Steuerfreiheit und ETFs gegen Kosten, Sperre bis 65 und volle Besteuerung. Dazu Kritik und für wen es sich lohnt.

Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit Redaktion AV-Depot.de
Kurz gesagtDas Altersvorsorgedepot bietet hohe staatliche Zulagen, eine steuerfreie Ansparphase und renditeorientierte Anlage in ETFs. Nachteile sind die Bindung bis mindestens 65, die volle Besteuerung im Alter, fehlende Kostendeckel außerhalb des Standarddepots und das Einzelaktienverbot. Lohnen kann es sich vor allem für Förderberechtigte mit Kindern, kleinem Einkommen oder langem Anlagehorizont.
Inhalt
  1. Vor- und Nachteile im Überblick
  2. Die Vorteile im Detail
  3. Die Nachteile und die Kritik im Detail
  4. Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
  5. Altersvorsorgedepot im Vergleich
  6. Fazit

Das Altersvorsorgedepot kann sich lohnen, wenn du förderberechtigt bist und das Geld bis zur Rente nicht brauchst. Die größten Vorteile sind hohe staatliche Zulagen, eine steuerfreie Ansparphase und die Möglichkeit, renditeorientiert in ETFs zu investieren. Die wichtigsten Nachteile sind die Bindung bis mindestens 65, die volle Besteuerung im Alter, fehlende Kostendeckel außerhalb des Standarddepots und die eingeschränkte Anlageauswahl.

Hier findest du eine ausgewogene Übersicht, die wichtigsten Kritikpunkte und eine Einschätzung, für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnen kann. Grundlage ist das verkündete Altersvorsorgereformgesetz, das ab dem 1. Januar 2027 gilt (Stand: November 2026).

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Grundzulage bis 540 € im Jahr, einkommensunabhängig Geld grundsätzlich erst ab 65 verfügbar
Kinderzulage bis 300 € je Kind Geförderter Teil im Alter voll steuerpflichtig
200 € Bonus für unter 25-Jährige Kein Kostendeckel außerhalb des Standarddepots
Zusätzlicher Steuervorteil über Sonderausgabenabzug Keine Einzelaktien, Zertifikate, Krypto
Ansparphase steuerfrei, keine Vorabpauschale Bei vorzeitiger Kündigung Rückzahlung der Förderung
ETFs ohne Garantiezwang möglich Mindestbeitrag 120 € statt 60 € bei Riester
Anbieterwechsel jederzeit, Kosten gedeckelt Kursschwankungen ohne Garantie
Standarddepot mit Kostendeckel (im Schnitt max. 1 %) Für Nicht-Förderberechtigte kaum sinnvoll
Flexible Auszahlung, bis 30 % Teilkapital Anbieterangebote noch vorläufig

Die Vorteile im Detail

Hohe staatliche Förderung

Die Grundzulage beträgt 50 % auf Eigenbeiträge bis 360 € und 25 % auf den Teil bis 1.800 €. Wer 30 € im Monat spart, bekommt 180 € Zulage im Jahr. Bei 150 € im Monat sind es 540 €, das ist das Maximum.

Für Eltern kommt die Kinderzulage hinzu: 1 € je Euro Eigenbeitrag, bis zu 300 € je kindergeldberechtigtem Kind. Ein Beispiel: Wer 25 € im Monat (300 € im Jahr) einzahlt und zwei Kinder hat, bekommt 150 € Grundzulage und 600 € Kinderzulage, zusammen 750 € Zulage auf 300 € Eigenbeitrag. Deine eigene Förderung berechnest du mit dem Zulagenrechner.

Steuerfreie Ansparphase

In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Erträge an, auch keine Vorabpauschale. Zusätzlich kannst du die Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Ist die Steuerersparnis höher als die Zulage, bekommst du die Differenz über die Steuererklärung.

Renditechancen mit ETFs

Anders als bei vielen Riester-Produkten gibt es keinen Zwang zur Beitragsgarantie. Du kannst in Fonds und ETFs der Risikoklassen SRI 1 bis 5 investieren. Die meisten weltweiten Aktien-ETFs sind SRI 4 und damit erlaubt. Mehr dazu im Ratgeber Welche ETFs?.

Mehr Flexibilität

Du kannst den Anbieter in der Ansparphase jederzeit wechseln. In den ersten fünf Jahren sind die Wechselkosten auf 150 € je Seite begrenzt, danach ist der Wechsel beim abgebenden Anbieter kostenlos. In der Auszahlphase kannst du zwischen Auszahlplan und Leibrente wählen und bis zu 30 % auf einmal entnehmen.

Die Nachteile und die Kritik im Detail

Bindung bis mindestens 65

Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65, bei Riester alt war das bereits mit 62 möglich. Nur wer vorher eine gesetzliche Altersrente oder Pension bezieht, kann früher starten. Kündigst du vorher, musst du Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das Geld ist also langfristig gebunden.

Volle Besteuerung im Alter

Der geförderte Teil wird im Alter voll mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert. Die 30 % Teilfreistellung, die bei Aktienfonds in einem normalen Depot gilt, gibt es hier nicht. Ob sich das für dich lohnt, hängt davon ab, wie hoch dein Steuersatz im Alter sein wird. Mehr im Ratgeber Altersvorsorgedepot und Steuern.

Kosten: Kritik der Verbraucherschützer

Die Kosten sind einer der wichtigsten Kritikpunkte. Für das Standarddepot gilt zwar ein Deckel von im Schnitt höchstens 1 % Effektivkosten pro Jahr. Für alle anderen Produkte gibt es aber keine Obergrenze.

Die Verbraucherzentrale NRW rechnet vor, dass selbst 1 % Kosten über 40 Jahre rund ein Drittel der Erträge kosten können. Für Premium-Produkte erwartet sie Kosten von 1,5 bis 2,5 %. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte einen Kostendeckel von 0,5 % gefordert, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Achtung: Die Verbraucherzentrale NRW rät, nicht überstürzt abzuschließen und sich vor Provisionsberatung zu hüten. Wenn dir jemand ein Altersvorsorgeprodukt besonders dringlich empfiehlt, frag nach den Gesamtkosten und danach, wie die Beratung bezahlt wird.

Einzelaktienverbot

Einzelaktien, Zertifikate und Kryptowerte sind im Altersvorsorgedepot nicht erlaubt. Die Deutsche Börse hat das Einzelaktienverbot kritisiert. Für die meisten Sparer ist ein breit gestreuter ETF ohnehin eine gängige Wahl. Wer aber gern selbst Aktien auswählt, muss dafür ein normales Depot nutzen.

Familien mit wenig Einkommen

Stiftung Warentest weist darauf hin, dass Familien mit geringem Einkommen schlechter gestellt sein können als bei Riester. Der Grund: Bei Riester reichte ein Sockelbetrag von 60 € im Jahr, um die vollen Zulagen zu bekommen. Beim Altersvorsorgedepot liegt der Mindesteigenbeitrag bei 120 €. Wer sehr wenig Geld zur Verfügung hat, muss also mehr selbst einzahlen. Mehr dazu im Ratgeber Familien und Kinderzulage.

Noch viele offene Details

Die Anbieter haben ihre Angebote bisher nur angekündigt, die endgültigen Konditionen stehen teilweise noch nicht fest. Ein öffentliches Standarddepot ist im Gesetz zwar per Verordnung möglich, die Verordnung wurde aber bis Herbst 2026 nicht erlassen. Aktuelle Infos findest du auf unserer Seite Anbieter.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot kann sich besonders lohnen, wenn …

  • du Kinder hast und die Kinderzulage nutzen kannst,
  • du ein geringes oder mittleres Einkommen hast und schon kleine Beiträge hoch gefördert werden,
  • du jung bist, den 200 € Bonus mitnimmst und viel Zeit für den Zinseszinseffekt hast (siehe Berufseinsteiger),
  • du ein höheres Einkommen hast und zusätzlich vom Sonderausgabenabzug profitierst,
  • du selbstständig bist und erstmals gefördert sparen kannst (siehe Selbstständige).

Weniger geeignet sein kann es, wenn …

  • du nicht förderberechtigt bist, denn ohne Zulagen überwiegen meist die Nachteile,
  • du das Geld vor 65 brauchen könntest,
  • du noch keine Notfallreserve hast,
  • dir volle Flexibilität oder die Auswahl von Einzelaktien wichtig ist. Dann kann ein normaler ETF-Sparplan besser passen.

Altersvorsorgedepot im Vergleich

Ob sich das Altersvorsorgedepot für dich lohnt, hängt auch davon ab, welche Alternativen du hast. Wichtige Vergleiche findest du hier:

Mit unserem Vergleichsrechner kannst du außerdem durchspielen, wie sich Förderung und Kosten auf dein Ergebnis auswirken können.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber Riester, aber kein Produkt ohne Schwächen. Die Förderung ist attraktiv, vor allem für Familien, junge Leute und Geringverdiener. Gleichzeitig solltest du die Kosten genau prüfen, die lange Bindung akzeptieren und die Besteuerung im Alter einplanen. Wer diese Punkte berücksichtigt und nicht überstürzt abschließt, kann mit dem Altersvorsorgedepot sinnvoll vorsorgen. Alle Grundlagen findest du auf unserer Hauptseite zum Altersvorsorgedepot.

Wie viel Zulage bekommst du?

Grundzulage, Kinderzulage und Steuervorteil in 30 Sekunden ausrechnen.

Zum Zulagenrechner

Häufige Fragen

Ist das Altersvorsorgedepot besser als Riester?

In vielen Punkten ist es flexibler: Es gibt keine Pflicht zur Beitragsgarantie, mehr Wahlfreiheit in der Auszahlphase und einen Kostendeckel für das Standarddepot. Für Familien mit geringem Einkommen kann es laut Stiftung Warentest aber schlechter sein, weil der Mindestbeitrag von 60 auf 120 € steigt.

Kann ich beim Altersvorsorgedepot Geld verlieren?

Ja. Ohne Garantie kann der Wert der Fonds schwanken und auch sinken. Wer kein Verlustrisiko möchte, kann ein Garantieprodukt mit 80 % oder 100 % Beitragsgarantie wählen, das in der Regel weniger Rendite verspricht.

Wann sollte ich lieber kein Altersvorsorgedepot abschließen?

Wenn du nicht förderberechtigt bist, das Geld vor 65 voraussichtlich brauchst oder noch keine Notfallreserve hast, kann ein anderer Weg besser passen. Auch hohe Schulden zu teuren Zinsen solltest du in der Regel zuerst abbauen.

Was hat die Verbraucherzentrale am Altersvorsorgedepot kritisiert?

Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor überstürzten Abschlüssen und Provisionsberatung und weist auf die Wirkung der Kosten hin. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte einen Kostendeckel von 0,5 % gefordert.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale NRW: Altersvorsorgedepot
  2. Stiftung Warentest: Altersvorsorgedepot
  3. Finanztip: Altersvorsorgedepot
  4. Bundestag: Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand siehe oben.

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