Grundlagen

Altersvorsorgedepot: Welche ETFs und Fonds sind erlaubt?

Altersvorsorgedepot welche ETFs? Wir erklären die Risikoklassen SRI 1 bis 7, was erlaubt ist, warum Einzelaktien und Krypto fehlen und worauf du bei Kosten achtest.

Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit Redaktion AV-Depot.de
Kurz gesagtIm Altersvorsorgedepot sind Fonds und ETFs der Risikoklassen SRI 1 bis 5 erlaubt, dazu Staatsanleihen von EU, Bund, Ländern und Gemeinden. Die meisten weltweiten Aktien-ETFs liegen in Klasse 4 und sind damit zulässig. Ausgeschlossen sind Fonds der Klassen 6 und 7, Einzelaktien, Zertifikate und Kryptowerte.
Inhalt
  1. Was bedeutet SRI?
  2. Was ist im Altersvorsorgedepot erlaubt?
  3. Was ist nicht erlaubt und warum?
  4. Worauf solltest du bei der Auswahl achten?
  5. Beispielhafte Bausteine (keine Empfehlung)
  6. Garantieprodukte als Alternative
  7. Fazit

Im Altersvorsorgedepot darfst du Fonds und ETFs der Risikoklassen SRI 1 bis 5 besparen, dazu Staatsanleihen der EU, des Bundes, der Länder und Gemeinden. Die meisten weltweit anlegenden Aktien-ETFs sind in Klasse 4 eingestuft und damit erlaubt. Nicht zulässig sind Fonds der Klassen 6 und 7, Einzelaktien, Zertifikate und Kryptowerte.

In diesem Ratgeber erfährst du, was hinter den Risikoklassen steckt, warum der Gesetzgeber bestimmte Anlagen ausschließt und worauf du bei der Auswahl achten kannst. Konkrete Fonds empfehlen wir bewusst nicht, denn das wäre Anlageberatung. Grundlage ist das verkündete Altersvorsorgereformgesetz (Stand: November 2026).

Was bedeutet SRI?

SRI steht für „Summary Risk Indicator“, auf Deutsch Gesamtrisikoindikator. Er stuft Fonds auf einer Skala von 1 bis 7 ein. Je höher die Zahl, desto stärker schwankt der Wert des Fonds typischerweise und desto höher ist das Risiko, aber auch die mögliche Rendite.

Den SRI findest du im Basisinformationsblatt jedes Fonds. Dieses Dokument muss der Anbieter dir vor dem Kauf zur Verfügung stellen. Die Einstufung berücksichtigt vor allem, wie stark der Kurs in der Vergangenheit geschwankt hat, und das Kreditrisiko.

Die Risikoklassen im Überblick

SRI Risiko Typische Fondsarten (Beispiele, je nach Produkt) Im Altersvorsorgedepot
1 sehr niedrig Geldmarktfonds erlaubt
2 niedrig Fonds mit kurz laufenden Anleihen guter Bonität erlaubt
3 mittel-niedrig breit gestreute Anleihefonds, defensive Mischfonds erlaubt
4 mittel weltweite Aktien-ETFs, ausgewogene Mischfonds erlaubt
5 mittel-hoch Aktienfonds einzelner Regionen, etwa Schwellenländer erlaubt
6 hoch stark schwankende Branchen- oder Spezialfonds nicht erlaubt
7 sehr hoch sehr spekulative Produkte, etwa auf Kryptowerte nicht erlaubt

Die Zuordnung der Fondsarten in der Tabelle ist nur eine grobe Orientierung. Maßgeblich ist immer die tatsächliche Einstufung im Basisinformationsblatt. Zwei Fonds derselben Kategorie können unterschiedlich eingestuft sein.

Gut zu wissen: Der SRI kann sich im Laufe der Zeit ändern. Schwankt ein Fonds in einer unruhigen Marktphase stärker, kann er in eine höhere Klasse rutschen. Wie Anbieter mit solchen Umstufungen umgehen, solltest du bei deinem Anbieter erfragen.

Was ist im Altersvorsorgedepot erlaubt?

Zugelassen sind zwei Gruppen von Anlagen:

  • Fonds und ETFs der Risikoklassen 1 bis 5. Dazu gehören Aktien-ETFs, Anleihe-ETFs, Mischfonds und Geldmarktfonds, solange ihre Einstufung passt.
  • Staatsanleihen der Europäischen Union, des Bundes, der Länder und der Gemeinden.

Welche Fonds du konkret kaufen kannst, hängt außerdem vom Anbieter ab. Nicht jede Bank wird jeden Fonds im Altersvorsorgedepot anbieten. Eine Übersicht der angekündigten Angebote findest du unter Anbieter.

Was ist nicht erlaubt und warum?

Ausgeschlossen sind:

  • Fonds der Risikoklassen 6 und 7
  • Einzelaktien
  • Zertifikate
  • Kryptowerte

Der Gesetzgeber will mit diesen Grenzen verhindern, dass staatlich geförderte Altersvorsorge in sehr riskante oder wenig gestreute Anlagen fließt. Eine einzelne Aktie kann stark an Wert verlieren, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät. Bei Zertifikaten hängt dein Geld zusätzlich an der Zahlungsfähigkeit des Herausgebers. Kryptowerte schwanken sehr stark.

Kritik am Einzelaktienverbot

Nicht alle finden diese Regel gut. Die Deutsche Börse hat das Verbot von Einzelaktien kritisiert. Wer gern selbst Aktien auswählt, muss das weiterhin in einem normalen Depot tun. Wie sich ein normaler ETF-Sparplan vom Altersvorsorgedepot unterscheidet, zeigt unser Vergleich Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan.

Worauf solltest du bei der Auswahl achten?

Auch wenn wir keine konkreten Produkte empfehlen, gibt es allgemeine Kriterien, die dir bei der Auswahl helfen können.

Breite Streuung

Je breiter ein Fonds streut, desto weniger hängt dein Ergebnis von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Ländern ab. Ein weltweiter Aktien-ETF enthält oft Hunderte oder Tausende Unternehmen aus vielen Ländern. Ein Fonds, der nur in eine Branche oder ein Land investiert, ist deutlich stärker von dessen Entwicklung abhängig.

Gerade bei einer Anlage über Jahrzehnte kann eine breite Streuung helfen, das Risiko einzelner Ausfälle zu begrenzen. Sie schützt aber nicht vor allgemeinen Kursrückgängen an den Börsen.

Risiko passend zum Anlagehorizont

Wer noch 30 oder 40 Jahre bis zur Rente hat, kann Schwankungen meist besser aussitzen als jemand, der in wenigen Jahren in Rente geht. Ein häufiges Vorgehen ist deshalb, in jungen Jahren stärker auf Aktien zu setzen und den Anteil risikoarmer Anlagen mit näher rückendem Rentenbeginn zu erhöhen.

Genau dieses Prinzip setzt das Standarddepot automatisch um. Es kombiniert einen risikoarmen Fonds (SRI 1–2) mit einem chancenorientierten Fonds (SRI 3–5) und schichtet vor Rentenbeginn schrittweise um. Wenn du dich nicht selbst um die Fondsauswahl kümmern möchtest, kann das Standarddepot eine Option sein. Mehr dazu im Ratgeber Standarddepot.

Kosten: die TER im Blick behalten

Die laufenden Kosten eines Fonds werden meist als TER angegeben (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote). Sie wird jedes Jahr vom Fondsvermögen abgezogen. Bei breit gestreuten Index-ETFs ist sie oft deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds.

Zur TER kommen beim Altersvorsorgedepot weitere Kosten hinzu, etwa Depot- oder Verwaltungsgebühren des Anbieters. Für das Standarddepot gilt ein Kostendeckel von im Schnitt höchstens 1 % Effektivkosten pro Jahr in der Ansparphase. Für andere Produkte gibt es keinen Deckel.

Achtung: Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass selbst 1 % Kosten über 40 Jahre rund ein Drittel der Erträge kosten können. Für Premium-Produkte rechnet sie mit 1,5 bis 2,5 %. Vergleiche daher die Gesamtkosten, nicht nur die TER.

Wie stark sich Kostenunterschiede über die Jahre auswirken können, kannst du mit unserem Vergleichsrechner ausprobieren.

Ausschüttend oder thesaurierend?

Viele Fonds gibt es in zwei Varianten: Ausschüttende Fonds zahlen Erträge regelmäßig aus, thesaurierende legen sie automatisch wieder an. Im Altersvorsorgedepot fallen in der Ansparphase keine Steuern auf Erträge an. Ob und wie Ausschüttungen im Depot wieder angelegt werden, hängt vom Anbieter ab.

Beispielhafte Bausteine (keine Empfehlung)

Um dir eine Vorstellung zu geben, welche Kategorien von Fonds im Altersvorsorgedepot typischerweise vorkommen können:

  • Weltweiter Aktien-ETF als chancenorientierter Kern, meist SRI 4
  • Anleihe-ETF mit Staatsanleihen guter Bonität als stabilisierender Baustein
  • Geldmarktfonds für einen sehr risikoarmen Anteil, etwa kurz vor Rentenbeginn
  • Mischfonds, die Aktien und Anleihen in einem Produkt kombinieren

Ob und in welcher Mischung solche Bausteine zu dir passen, hängt von deiner Risikobereitschaft, deinem Alter und deiner übrigen Vorsorge ab.

Garantieprodukte als Alternative

Wer keine Schwankungen bis zum Rentenbeginn riskieren möchte, kann statt des Depots ohne Garantie ein Garantieprodukt mit 80 % oder 100 % Beitragsgarantie wählen. Diese werden meist von Versicherern angeboten. Garantien kosten allerdings in der Regel Rendite.

Fazit

Die Auswahl im Altersvorsorgedepot ist eingeschränkt, aber für eine breit gestreute Altersvorsorge ausreichend. Wichtiger als die Suche nach dem „perfekten“ Fonds sind niedrige Kosten, eine breite Streuung und ein Risiko, das zu deinem Anlagehorizont passt. Weitere Grundlagen findest du auf unserer Hauptseite zum Altersvorsorgedepot, Fachbegriffe erklärt das Glossar.

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Häufige Fragen

Ist ein MSCI-World-ETF im Altersvorsorgedepot erlaubt?

Weltweite Aktien-ETFs sind meist in Risikoklasse SRI 4 eingestuft und damit grundsätzlich zulässig. Entscheidend ist die Einstufung im Basisinformationsblatt des jeweiligen Fonds und ob dein Anbieter den Fonds im Altersvorsorgedepot anbietet.

Was passiert, wenn ein Fonds später in SRI 6 hochgestuft wird?

Die Risikoklasse kann sich ändern, wenn ein Fonds stärker schwankt. Wie Anbieter in diesem Fall vorgehen, ist im Detail noch offen. Frag am besten bei deinem Anbieter nach, wie er mit Umstufungen umgeht.

Kann ich im Altersvorsorgedepot Bitcoin oder Krypto-ETPs kaufen?

Nein. Kryptowerte sind im Altersvorsorgedepot nicht erlaubt, unabhängig von der Produktform.

Wie viele ETFs sollte ich im Altersvorsorgedepot haben?

Dafür gibt es keine feste Regel. Für eine breite Streuung kann schon ein einzelner weltweit anlegender Aktien-ETF genügen, eventuell ergänzt um einen risikoarmen Baustein. Mehr Fonds bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit.

Quellen

  1. Finanztip: Altersvorsorgedepot
  2. Stiftung Warentest: Altersvorsorgedepot
  3. Verbraucherzentrale NRW: Altersvorsorgedepot

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand siehe oben.

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