Inhalt
- Was ist das Standarddepot?
- So ist das Standarddepot aufgebaut
- Lebenszyklus: automatische Umschichtung vor Rentenbeginn
- Kostendeckel: höchstens 1 % im Schnitt
- Pflichtangebot für alle Anbieter
- Standarddepot, freies Altersvorsorgedepot oder Garantieprodukt?
- Das öffentliche Standarddepot: noch offen
- Für wen eignet sich das Standarddepot?
- Förderung im Standarddepot
- Fazit
Das Standarddepot ist die einfachste Form des Altersvorsorgedepots. Du musst keine Fonds selbst auswählen: Das Depot besteht aus zwei vorgegebenen Fonds, schichtet vor deinem Rentenbeginn automatisch in die sichere Anlage um und darf im Schnitt höchstens 1 % Kosten pro Jahr verursachen. Jeder Anbieter eines Altersvorsorgedepots muss ein solches Standarddepot anbieten oder auf einen Partner verweisen.
Damit richtet es sich vor allem an Menschen, die gefördert vorsorgen möchten, sich aber nicht intensiv mit Geldanlage beschäftigen wollen. Hier erfährst du, wie das Standarddepot funktioniert und worauf du achten solltest. Stand: November 2026.
Was ist das Standarddepot?
Mit dem Altersvorsorgereformgesetz startet am 1. Januar 2027 eine neue Form der geförderten privaten Altersvorsorge. Neben frei gestaltbaren Altersvorsorgedepots und Garantieprodukten gibt es das Standarddepot als vorkonfigurierte Lösung.
Der Gedanke dahinter: Viele Menschen scheuen sich vor der Geldanlage, weil sie nicht wissen, welche Fonds sie wählen sollen. Das Standarddepot nimmt ihnen diese Entscheidung ab. Es ist digital und ohne Beratung abschließbar und soll so einen günstigen Einstieg ermöglichen.
So ist das Standarddepot aufgebaut
Das Standarddepot besteht aus genau zwei Fonds, die der Anbieter auswählt:
| Baustein | Risikoklasse | Aufgabe |
|---|---|---|
| Risikoarmer Fonds | SRI 1–2 | Sicherheit, geringe Schwankungen, vor allem kurz vor Rentenbeginn |
| Chancenorientierter Fonds | SRI 3–5 | Renditechancen, vor allem in den ersten Jahrzehnten |
Die Risikoklassen (SRI) reichen von 1 (sehr geringes Risiko) bis 7 (sehr hohes Risiko). Im Altersvorsorgedepot sind generell nur Produkte der Klassen 1 bis 5 erlaubt. Zum Vergleich: Die meisten globalen Aktien-ETFs haben die Risikoklasse SRI 4.
Welche Fonds ein Anbieter konkret einsetzt, unterscheidet sich. Deshalb lohnt sich trotz des einheitlichen Rahmens ein Vergleich der Angebote auf unserer Seite Anbieter.
Lebenszyklus: automatische Umschichtung vor Rentenbeginn
Das wichtigste Merkmal des Standarddepots ist das sogenannte Lebenszyklusmodell. Solange dein Rentenbeginn noch weit entfernt ist, steckt ein großer Teil deines Geldes im chancenorientierten Fonds. So kann dein Vermögen von langfristigen Kursgewinnen profitieren.
Je näher dein Rentenbeginn rückt, desto mehr wird schrittweise in den risikoarmen Fonds umgeschichtet. Das soll verhindern, dass ein Börseneinbruch kurz vor der Rente einen großen Teil deines Ersparten vernichtet. Du musst dich darum nicht kümmern, der Anbieter erledigt das automatisch.
Gut zu wissen: Wie genau und ab wann umgeschichtet wird, kann sich je nach Angebot unterscheiden. Achte in den Produktinformationen deines Anbieters auf die Beschreibung des Umschichtungsplans.
Umschichtungen innerhalb des Altersvorsorgedepots lösen keine Steuern aus, denn die gesamte Ansparphase ist steuerfrei. Mehr dazu im Ratgeber Altersvorsorgedepot und Steuern.
Kostendeckel: höchstens 1 % im Schnitt
Für das Standarddepot gilt ein Kostendeckel. Die Effektivkosten dürfen in der Ansparphase im Schnitt höchstens 1 % pro Jahr betragen. Für alle anderen Produkte im Rahmen des Altersvorsorgedepots gibt es keinen solchen Deckel.
Der Deckel ist im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens gesunken: Der Entwurf sah noch 1,5 % vor. Dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) geht das nicht weit genug, er hatte einen Deckel von 0,5 % gefordert.
Warum das wichtig ist, zeigt eine Einschätzung der Verbraucherzentrale NRW: Selbst 1 % Kosten können über 40 Jahre rund ein Drittel der Erträge kosten. Der Deckel ist also eine Obergrenze, kein Zielwert. Es kann sich lohnen, nach Angeboten zu suchen, die deutlich darunter liegen.
Achtung: Der Kostendeckel gilt nur für das Standarddepot. Wenn du ein Altersvorsorgedepot mit selbst gewählten Fonds oder ein Garantieprodukt abschließt, können die Kosten auch höher sein. Vergleiche dann besonders genau.
Pflichtangebot für alle Anbieter
Jeder Anbieter, der ein Altersvorsorgedepot anbietet, muss auch ein Standarddepot im Programm haben. Alternativ darf er auf das Standarddepot eines Partners verweisen. Du kannst also davon ausgehen, dass du bei jedem Anbieter zumindest Zugang zu dieser einfachen Variante bekommst.
Das Standarddepot wird digital und ohne Beratung angeboten. Das hält die Kosten niedrig, bedeutet aber auch: Du triffst die Entscheidung selbst. Unabhängige Informationen findest du zum Beispiel bei Verbraucherzentralen, auf unserer Pillar-Seite und in den FAQ.
Standarddepot, freies Altersvorsorgedepot oder Garantieprodukt?
Das Standarddepot ist nicht die einzige Möglichkeit. So unterscheiden sich die drei Varianten:
| Standarddepot | Freies Altersvorsorgedepot | Garantieprodukt | |
|---|---|---|---|
| Anlage | zwei vorgegebene Fonds | selbst gewählte Fonds/ETFs SRI 1–5, Staatsanleihen | meist Versicherungsprodukt |
| Garantie | keine | keine | 80 % oder 100 % der Beiträge |
| Umschichtung | automatisch vor Rentenbeginn | selbst steuern | je nach Produkt |
| Kostendeckel | im Schnitt max. 1 % | keiner | keiner |
| Aufwand für dich | gering | höher | gering |
| Förderung | gleich | gleich | gleich |
Wer sich mit ETFs auskennt, kann im freien Altersvorsorgedepot selbst entscheiden, wie viel Aktienanteil er wie lange halten möchte. Tipps dazu gibt der Ratgeber ETF-Auswahl im Altersvorsorgedepot. Garantieprodukte bieten Sicherheit, die Garantie kostet aber in der Regel Rendite.
Das öffentliche Standarddepot: noch offen
Neben den Angeboten privater Anbieter sieht das Gesetz die Möglichkeit eines öffentlichen Standarddepots vor. Dafür enthält es eine Verordnungsermächtigung. Die Bundesregierung kann ein solches Angebot also später per Verordnung einführen.
Bis Herbst 2026 ist eine solche Verordnung aber nicht erlassen worden. Ob und wann ein öffentliches Standarddepot kommt, ist daher unsicher. Zum Start am 1. Januar 2027 kannst du nur die Standarddepots der privaten Anbieter nutzen. Neuigkeiten dazu greifen wir auf, sobald es verlässliche Informationen gibt.
Für wen eignet sich das Standarddepot?
Das Standarddepot kann sich für dich lohnen, wenn …
- du gefördert vorsorgen möchtest, dich aber nicht selbst um die Fondsauswahl kümmern willst,
- du eine automatische Absicherung vor Rentenbeginn schätzt,
- dir niedrige, gedeckelte Kosten wichtig sind,
- du ohne Beratung digital abschließen möchtest.
Weniger passend ist es, wenn du eine Garantie auf deine Beiträge möchtest oder deine Anlage selbst gestalten willst. Im ersten Fall kommt eher ein Garantieprodukt infrage, im zweiten ein freies Altersvorsorgedepot.
Förderung im Standarddepot
Für das Standarddepot gilt dieselbe Förderung wie für jedes andere Altersvorsorgedepot. Die Grundzulage beträgt 50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag und 25 % auf Beiträge bis 1.800 €, insgesamt maximal 540 € im Jahr.
| Monatlicher Beitrag | Jahresbeitrag | Grundzulage |
|---|---|---|
| 10 € | 120 € | 60 € |
| 30 € | 360 € | 180 € |
| 100 € | 1.200 € | 390 € |
| 150 € | 1.800 € | 540 € |
Hinzu kommen bis zu 300 € Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind und für unter 25-Jährige einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus. Deine persönliche Förderung berechnest du mit dem Zulagenrechner, eine mögliche spätere Rente mit dem Rentenrechner.
Fazit
Das Standarddepot ist ein unkomplizierter Einstieg in die geförderte Altersvorsorge: zwei Fonds, automatische Umschichtung, gedeckelte Kosten. Es ersetzt aber nicht den Vergleich, denn Fondsauswahl und tatsächliche Kosten unterscheiden sich zwischen den Anbietern.
Wie du ein Depot eröffnest, erklärt der Ratgeber Altersvorsorgedepot eröffnen. Einen Überblick über Stärken und Schwächen bietet Vor- und Nachteile des Altersvorsorgedepots. Fachbegriffe wie SRI oder Effektivkosten findest du im Glossar.
Wie viel Zulage bekommst du?
Grundzulage, Kinderzulage und Steuervorteil in 30 Sekunden ausrechnen.
Häufige Fragen
Kann ich im Standarddepot die Fonds selbst auswählen?
Nein. Die beiden Fonds gibt der Anbieter vor. Wer selbst entscheiden möchte, in welche ETFs oder Fonds er investiert, kann stattdessen ein freies Altersvorsorgedepot wählen.
Kann ich später vom Standarddepot in ein anderes Produkt wechseln?
Ja. Ein Produktwechsel beim selben Anbieter ist kostenlos. Du kannst in der Ansparphase auch jederzeit den Anbieter wechseln, in den ersten fünf Jahren dürfen dafür je Seite höchstens 150 € Kosten anfallen.
Gibt es im Standarddepot eine Garantie auf meine Beiträge?
Nein. Das Standarddepot ist ein Produkt ohne Garantie. Die Umschichtung in den risikoarmen Fonds vor Rentenbeginn soll Schwankungen verringern, schließt Verluste aber nicht aus.
Bekomme ich beim Abschluss eines Standarddepots eine Beratung?
In der Regel nicht. Das Standarddepot wird digital und ohne Beratung angeboten, damit die Kosten niedrig bleiben. Unabhängige Informationen bieten etwa die Verbraucherzentralen.
Quellen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand siehe oben.